Verdiente Niederlage im Lokalderby

Am vergangenen Sonntag kam es zum lang erwarteten ersten Aufeinandertreffen der zwei Essener Oberligavertreter, des TuSEM2 und der SG Überruhr, in der SH „Lührmannwald“. Die Sporthalle war für ein B-Jugend-Spiel mit knapp 120 Zuschauern ausgezeichnet besucht, so dass von Anfang an vor einer eindrucksvollen Kulisse gespielt wurde. Die Ausgangslage für beide Teams konnte nicht unterschiedlicher sein: Der TuSEM hatte zuletzt vier zum Teil schmerzliche Niederlagen in Folge kassiert, die SGÜ kam mit breiter Brust aus den letzten drei siegreich gestalteten Partien an. So waren die Rollen klar verteilt, aber wie jeder weiß, haben Derbys ihre eigenen Gesetze..!

Zunächst startete das Spiel mit einem vorsichtigen Abtasten auf beiden Seiten. Den Spielern aus der Margarethenhöhe merkte man den Respekt vor dem Gegner in den Anfangsminuten an, wogegen die Überruhrer unerklärlicherweise ihre Anfangspräsenz vermissen ließen und etwas verunsichert daher kamen. So war bis zur 5. Minute nicht viel passiert, was ein 2:2-Zwichenstand wiederspiegelte. Beide Abwehrreihen verschoben sich gut und machten es dem Gegner schwer zu einem Torwurf zu kommen. Da aber der jeweilige Angriff nicht sehr einfallsreich agierte, war diese Aufgabe ziemlich einfach zu lösen. Plötzlich wurden die Aktionen der SGÜ mutiger. Weil das Spiel über die Außen wieder einmal nicht stattfand, wurde zumindest mehrfach der Kreisanspiel gesucht und erfolgreich abgeschlossen. Dies führte zu einer zu diesem Zeitpunkt verdienten 2:5-Führung für die SGÜ. Doch diese Führung schien das Team eher einzulullen, als Sicherheit zu geben! Wieder einmal verfiel man in das pomadige Spiel der Anfangsphase und der TuSEM witterte Morgenluft, um dann in der 13. Minute zum 5:5 in einer torarmen ersten Halbzeit auszugleichen. Wie die Jungs von der Halbinsel bis zur 19. Minute eine mehr als schmeichelhafte 5:9-Führung herausspielten, war den meisten Anwesenden unerklärlich. Der TuSEM-Angriff kam fast immer zum Abschluss und scheiterte entweder knapp oder an unseren gut aufgelegten Torhütern. Unsere Angriffsformation leistete sich dagegen einen technischen Fehler nach dem anderen und war nur durch Einzelaktionen, wie Gewaltwürfe oder schnelle Kreisläufe, erfolgreich. Im SGÜ-Anhang war man sich einig, wenn die TuSEM-Akteure Zielwasser trinken, wird es schwer. Und so kam es, wie es kommen musste… Der TuSEM lief durch die zum Teil haarsträubenden Fehler der SGÜ heiß, ließ sich durch den Rückstand nicht aus der Fassung bringen und holte Tor um Tor gegen mittlerweile hilflose Überruhrer auf. Symptomatisch für das ganze Spiel war die letzte Aktion 20 Sekunden vor Ende der ersten Hälfte beim Stand von 9:9. Der Angriffszug der Überruhrer wurde durch einen abgefangenen Pass zu einem Tempogegenstoß des Gegners. Der anschließende Torwurf wurde von Max prima entschärft und landete in unseren Reihen. Dann zum Entsetzen des SGÜ-Anhanges wurde der Ball ohne Not aus kurzer Distanz zu einem TuSEM-Spieler „gepasst“. Dieser bedankte sich und netzte zum 10:9-Halbzeitstand ein. Eine Aktion, die Signalwirkung für beide Teams hatte…

Zu Beginn der 2. Halbzeit war die Körpersprache entsprechend: Die Führungsspieler des TuSEM strotzten nur so von Selbstvertrauen, die der SGÜ wirkten nach wie vor verunsichert. Da man aber die Fehler zunächst abstellte und zu einem sicheren Spielaufbau gewechselt wurde, blieb das Spiel bis zur 40. Minute offen. Hauptsächlich Jonas überzeugte auf SGÜ-Seite, der es immer wieder verstand, seinen Gegenüber auszuspielen, um frei am Kreis zum erfolgreichen Torwurf zu kommen. Was aber nicht mehr funktionierte, war die Abwehrarbeit. Der TuSEM hatte sich nach der Pause auf unsere Abwehr eingestellt und erarbeitete sich viele Möglichkeiten durch schnelle Kombinationen durch die Mitte, gepaart mit knallharten Würfen aus dem linken Halbfeld. So ging es über ein 12:12 (30.), ein 16:16 (35.) und ein 20:20 (40.) in die entscheidende Phase des spannenden Spiels. 10 Minuten vor Schluss kassierte die SGÜ eine berechtigte 2-Minuten-Strafe, die mit einem 22:21-Rückstand ziemlich schadlos überstanden wurde. Dann folgte der Genickbrecher für die Überruhrer. Beim darauffolgenden Angriff sollten die Torhüter ausgewechselt werden. Leider wurde der Ball mitten im Wechsel wieder abgefangen, so dass beide Torhüter Richtung leerem Tor rannten. Dies blieb dem aufmerksamen Schiedsrichtergespann nicht verborgen, so dass die nächste Strafe gegen die SGÜ sieben Minuten vor Schluss verhängt wurde. Mit leerem Akku und durch die selbstverschuldete Dezimierung demoralisiert ließ man den Gegner kurzzeitig gewähren. Dieser nutzte die Chance und zog auf 26:22 bis zur 45. Minute davon. Zwar konnte sich die SGÜ nochmals fangen, aber um den 4-Tore-Vorsprung aufzuholen fehlte einfach die Kraft, der Kampfeswille und die Überzeugung das Spiel zu drehen. Der TuSEM dagegen verwaltete im Bewusstsein des sicheren Sieges das Match souverän zum verdienten Endstand von 30:26.

Der Sieg für den TuSEM geht völlig in Ordnung, da diese mit vier voll engagierten Spielern unserem Team während des gesamten Spiels das Leben schwer gemacht haben. Die SGÜ ließ leider den nötigen, sonst immer vorhandenen Siegeswillen über weite Strecken vermissen. Dieser hätte die an diesem Tag aufgetretene Spielschwäche ausgleichen können. Da der eine oder andere Leistungsträger einen schlechten Tag erwischte, müssen andere Spielzüge (die Außen?) gerade durch diese in Betracht gezogen werden, wenn es nicht läuft. Ein Spiel kann ohne Zweifel verloren werden, nur wie es verloren wurde, tut erstmal weh. Man muss die Lehren daraus ziehen, sich dann aber auf die zukünftigen Aufgaben freuen. Abhaken und fertig! Herausstellen sollte man die Leistung von Jonas, der sich von Spiel zu Spiel immer weiter verbessert und vom früheren „Haudrauf“, zum sicheren Schützen am Kreis entwickelt. Auch Salomo und die Torhüter waren Stabilitätsfaktoren während des Spiels. Wichtig ist, Nackenschläge möglichst schnell zu verdauen, um selbst wenn es gar nicht läuft, immer noch dagegen zu halten und auf seine Chance, sei sie noch so klein, geduldig zu warten. Kopf hoch Jungs! Oberliga ist nun mal ein hartes Brot und auf eure Hinrunde könnt ihr stolz sein.

Es spielten: Nils Waldrich (TW), Max Heidrich (TW), Tristan Degener (TW), Julius Steinhauer (9/1), Jonas Graef (7), Salomo Ortega-Sawal  (7/4), Torben-Bo Enigk (3), Tom van der Heuvel , Jesko Hünselar, Fredrik Camp, Christopher Felsch, Henrik Nocke, Tom Schiffbauer und Jakob Oerl

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