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Dramatik pur bis zur allerletzten Sekunde!

mA-OL:   ETB SW Essen   –  SG Überruhr        28 : 28   (15 : 13)

Selten hat man für einen 2€-Ticket so viel Spannung geboten bekommen, wie beim Stelldichein der zwei besten Essener A-Jugend-Mannschaften hinter dem TuSEM am vergangenen 3. Advent. Das hochstilisierte Duell um die Handballvorherrschaft im Essener Süden sollte in der Helmholtzhalle alles halten, was im Vorfeld berichtet worden war. ETB- und SGÜ-Anhang mobilisierten alle Kräfte, um ihr Team zu unterstützen, wobei eindeutig ein personelles und lautstarkes Übergewicht auf Überruhrer Seite lag. So fanden sich bis zum Spielende sicherlich ca. 100 bis 110 Zuschauer ein, die ihr Kommen in einer sagenhaften Derbyatmosphäre nicht bereuen sollten.

Die Spielsysteme waren klar definiert: Der ETB würde mit schnellem und überraschendem Passspiel versuchen die vermeintlich träge SGÜ-Abwehr zu düpieren, die SGÜ hingegen versuchen den beweglichen Gegner früh zu stören, um dessen Aufbauspiel im Keim zu ersticken und dann die entsprechenden Konter zu setzen. Zunächst sollte der ETB die ersten Akzente setzen. Schnell fanden die Rüttenscheider den Schlüssel, um unsere Abwehr gehörig unter Druck zu setzen und am Ende eines gut geplanten Spielzuges den entsprechenden Mitspieler am Kreis erfolgreich anzuspielen. Wie immer versuchte unser Team sich erstmal an den Gegner aus einer sicheren Abwehr zu gewöhnen, ohne allerdings im Angriff durchschlagskräftig zu agieren, so dass bis zur 7. Minute ein 3:1-Rückstand hingenommen werden musste. Allen Spielern wurde spätestens jetzt klar, dass eine „normale“ Leistung für einen Torerfolg gegen die gegnerische Abwehr inklusive ausgezeichnetem Torhüter nicht reichen würde und so belauerte man sich gegenseitig , um im richtigen Augenblick zuzuschlagen. Dies gelang bis zur 11. Minute den Überruhrern, die eine kurze Schwächephase des ETB zur 3:4-Führung nutzten. Sofort reagierte der ETB mit einem Timeout, um den aufkommenden Spielfluss der SGÜ zu unterbinden, was auch gelang. So ging es jetzt hin und her, ohne dass sich eine Mannschaft mehr als ein Ein-Tore-Vorsprung erarbeiten konnte. Beide Teams hielten sich an ihre taktischen Vorgaben, versuchten diese dem Gegner aufzudrängen und merkten, dass auf der anderen Seite ein ebenbürtiges Team stand, das keine Lust hatte nachzugeben. Von der 14. Bis zur 23. Minute kassierte auf einmal der ETB drei aufeinander folgende Zeitstrafen, die von der SGÜ auf fahrlässige Art und Weise nicht genutzt wurden. Selbst ein Timeout durch Pierre brachte nicht die nötige Sicherheit, um die Abwehr zu stabilisieren, denn der ETB agierte selbst in Unterzahl äußerst erfolgreich und fand regelmäßig eine Lücke im leicht indisponierten Abwehrverbund zum Torerfolg. Gestützt auf diese Leistung nahmen die Rüttenscheider das Heft in die Hand und gingen verdient in der 26. Minute mit 12:10 gegen jetzt etwas verunsicherte Überruhrer in Führung. Diesen Zwei-Tore-Vorsprung verwaltete der ETB bis zum Ende der 1. Halbzeit souverän, wobei auch eine Zeitstrafe gegen unser Team ausgesprochen wurde, ohne dass der ETB Kapital davon schlagen konnte, um mit 15:13 in die Pause zu gehen.

Der SGÜ-Anhang guckte nun etwas bedröppelt rein. Irgendwie hatte man sich die Aufgabe beim Nachbarn einfacher vorgestellt. Die verdiente Führung des ETB gab doch zu denken, da unsere Jungs gerade in der Abwehr das eine oder andere Mal zu spät kamen und unsere Torhüter vor kaum lösbaren Aufgaben stellten. Dafür musste sich der Angriff jedes Mal ein Tor gegen die schnell zupackende gegnerische Abwehr hart erkämpfen. Wie lange würde der ETB das hohe Tempo halten? Würde unser Team, wie so oft, den zweiten Atem bekommen und entscheidend zurückschlagen? Es sah zunächst nicht gut aus, denn die Rüttenscheider machten da weiter, wo sie aufgehört hatten und nutzten das Momentum der SGÜ-Unsicherheit aus, um bis zur 37. Minute mit 20:16 in Führung zu gehen. Lediglich Salomo Ortega-Sawal stemmte sich gegen die Niederlage und schaffte es  den Abstand erträglich zu gestalten. Eine Minute später bekam der ETB noch ein Siebenmeter zugesprochen,,, und verwarf! Pierre nutzte die Gunst der Stunde, nahm eine Auszeit, stellte das Team neu ein und hoffte auf eine positive Reaktion. Der ETB war im Angriff verunsichert, doch man kam nicht ran! Der Rückstand blieb in etwa gleich und die Zeit rannte davon. In der 43. Minute setzte Pierre alles auf eine Karte und wechselte Luca Felter ein, der erstmalig seit seiner schweren Verletzung vor einem Jahr zum Einsatz kam und der Abwehr wieder die nötige Stabilität zurückgab. Zudem sollte er im Angriff die nötigen Lücken für Salomo und Philipp Thomas schaffen, damit sich der Torerfolg noch in der letzten Viertelstunde einstellen konnte. Der ETB-Trainer schien den Braten zu riechen und stellte sein Team über eine Auszeit auf die kommenden Aufgaben ein. Doch auf einmal stand der ETB neben sich, fabrizierte zwei leichte Fehler, die dann von der SGÜ konsequent zum 22:21-Zwischenstand ausgenutzt wurden. Jetzt kippt wohl das Spiel, dachte sich der SGÜ-Anhang… mitnichten! Die Rüttenscheider schlugen gnadenlos zurück und erzielten bis zur 47. Minute erneut eine für sie beruhigende 24:21-Führung. Im Anschluss kassierte der ETB bei einer Abwehraktion allerdings eine weitere Zeitstrafe und die SGÜ kämpfte sich wieder auf 24:23 heran. Die Berg- und Talfahrt war nichts für schwache Nerven und jeder, ob ETB- oder SGÜ-Fan, litt mit seiner Mannschaft mit. Urplötzlich wurde Luca frei am Kreis angespielt und sein Gegenüber wusste sich nicht anders, als mit einem Foul zu helfen. Dabei fiel er unglücklich auf Luca drauf, so dass das umsichtige Schiedsrichtergespann einen berechtigten Siebenmeter verhängte aber auch dem ETB-Abwehrrecken eine sehr harte rote Karte aussprach. In diesem Augenblick (49. Minute) wechselte das Momentum auf die SGÜ-Seite. Den fälligen Siebenmeter verwandelte Philipp sicher, wie alle anderen zuvor, zum 24:24-Ausgleich und der ETB, bereits mit einem Mann weniger, musste sein Glück zu viert versuchen. Die SGÜ nutzte zunächst das ETB-Manko und ging bis zur 51. Minute mit 25:26 in Führung, doch dann gab man den Vorteil durch zwei dumme Zeitstrafen (unnötiges Foul und Wechselfehler) wieder her. Jetzt schlug aber die Stunde von Nils Waldrich im SGÜ-Tor, der ein ums andere Mal die Würfe des ETB entschärfte, um selbst in Unterzahl zum erfolgreichen Gegenschlag auszuholen. So stand es in der 56. Minute noch mit einem Mann weniger 25:28 für die Überruhrer und man wähnte sich auf der Siegerstrasse. Doch Kompliment an den Gegner, der nicht aufgab und seinerseits alles auf eine Karte setzte, um schnell den Anschluss zu schaffen. Die ETB-Lösung war recht einfach: Da die SGÜ zu fünft agierte, wurde Jan Bergander (RR) gesucht, welcher regelmäßig eine Lücke fand, um einen freien Mitspieler entscheidend anzuspielen oder völlig frei vor Nils aufzutauchen und erfolgreich einzunetzen. Die SGÜ-Abwehr war verunsichert, so dass alle Hoffnungen im Angriff ruhten, doch auch Constantin Gramsch , der Ersatztorhüter des ETB, erwischte einen Bombentag und vereitelte die Versuche unseres Teams. Beim Versuch einen abgewehrten Ball zurückzuerobern, sah das Schiedsrichtergespann ein strafwürdiges Foul eines SGÜ-Akteurs und verhängte in der 58. Minute die letzte Zeitstrafe des Spiels beim Stand von 27:28. Genau diese Situation sollte eigentlich verhindert werden und man merkte den ETB-Spielern an, dass sie entschlossen waren dieses Geschenk anzunehmen, wogegen die Überruhrer, zuvor noch den sicheren Sieg vor Augen, nun mit ihrem Schicksal haderten. Das Momentum wechselte mal wieder auf die ETB-Seite und wie unsere Jungs da den Kopf noch aus der Schlinge ziehen würden, war für den SGÜ-Anhang nicht mehr nachzuvollziehen. So spielte der ETB seine Standardkombination und Bergander erzielte viel zu früh in Minute 58:30 den verdienten Ausgleich zum 28:28. Verzweifelt versuchten anschließend unsere Jungs eine Lücke im gegnerischen Abwehrbollwerk zu finden und als der Arm der Schiedsrichter hochging, war nur noch ein Verzweiflungswurf drin, der von Gramsch entschärft wurde. Mit der Balleroberung nahm der ETB-Trainer seine letzte Auszeit, um 40 Sekunden vor Schluss den „letzten“ Spielzug zu besprechen. Pierre nutzte ebenfalls die Möglichkeit um seine verbliebenen fünf Recken auf die „ETB-Kombo“ einzustellen.  Diese letzten 40 Sekunden hatten es in sich, so dass ab jetzt im „Ticker“ berichtet wird!!!

59:20   Der ETB läßt zunächst den Ball schnell und wohlüberlegt laufen bis sich die gewünschte Lücke auf Berganders Seite auftut.

59:35   Der Ball kommt wie erwartet zu Bergander und das Unheil scheint seinen Lauf zu nehmen…

59:36   Bergander läuft selbstsicher wie mehrere Male zuvor Richtung Kreis und setzt zum Sprung an…

59:37   Luca und Lukas Tholen können sich noch gemeinsam dem Hünen entgegenstellen, den Wurf aber nicht mehr verhindern. Er kommt aber nicht mehr frei vor dem Tor zum Abschluss und Nils kriegt sein Bein dazwischen, so dass der Ball ins Seitenaus fliegt. Jubel beim SGÜ-Anhang!

59:40   Zweiter Anlauf durch den ETB mit einem neuen aber hektischeren Aufbau. Jetzt wird irgendeine Lücke gesucht. Auf der Tribüne wird nach Baldrian gerufen.

59:51   Ein ETB-Akteur meint eine Lücke gefunden zu haben und stürzt sich nach vorne, um seine Chance zu nutzen.

59:52   Die Abwehr kann die Lücke schließen! Der Rüttenscheider entscheidet sich mangels Zeit trotzdem für den Wurf. Einige auf der Tribüne verlieren die Nerven.

59:53   Nils kriegt irgendein Körperteil dazwischen und der Ball prallt wieder Richtung Seitenaus ab.

59:54   Philipp sichert den Ball, bevor er ins Seitenaus geht. Zu diesem Zeitpunkt sind sich alle Anwesenden sicher, dass der Drops gelutscht ist und fangen an sich zu entspannen.

59:55   Lukas startet einen Spurt auf der rechten Seite Richtung gegnerischen Kreis. Der ETB erkennt die Gefahr und folgt ihm schnurstracks mit zwei Mann. Gleichzeitig wird Philipp, als Ballführender, bedrängt.

59:56   Philipp dribbelt Richtung Mittellinie wo er endgültig gestellt wird. Er kann den Ball nur noch Richtung Kreis in den freien Raum an mehreren ETB-Armen vorbeiwerfen. Geht da noch was..?

59:57   Lukas fliegt, bedrängt von seinen Verfolgern, aus der Seite herein, fängt den Ball drei Meter vor dem Kreis mit dem Rücken zum Tor in der Luft und macht noch im Fallen ein „No-look“-Wurf aus dem Unterarm!

59:58   Der ETB-Torwart steht zu weit vor seinem Kasten und hat überhaupt nicht mit dem Wurf  gerechnet. Der Ball fliegt an ihm vorbei!

59:59   Alle halten den Atem an… Zwei Mal titscht der Ball noch auf, bevor er haarscharf am leeren Tor vorbeizieht…

60:00   Die Schlusssirene ertönt… und keiner weiß so richtig, ob er sich freuen oder heulen soll!

Nachdem alle  Anwesenden wieder beieinander waren (und das hat wirklich gedauert), wurden alle Spieler mit dauerhaften „Standing Ovations“ gefeiert. Alle waren sich einig, dass keine Mannschaft eine Niederlage verdient gehabt hätte! Somit blieb das Unentschieden als einziges logisches und gerechtes Ergebnis übrig. Festzuhalten bleibt, dass kein Team sich aufgegeben hat, sondern bis zum Schluss gefightet wurde, auch wenn die Lage aussichtslos erschien! Der Essener Handballsport kann stolz auf diese zwei Mannschaften sein, die den Namen „Mannschaft“ auch wirklich verdienen! Trotz der Brisanz des Duells wechselten die Trainer fast alle Spieler ein, was keine Selbstverständlichkeit ist. Aus SGÜ-Sicht stellt man fest, dass dieses Team wieder ein Spiel für die „Annalen“ bestritten hat und die Jungs dem SGÜ-Anhang viel Freude bereitet haben. Man hat sich mit jedem erfolgreichen Spielzug gefreut und bei jedem Gegentor mitgelitten. Es war nicht alles Gold was glänzte, aber wie das Team Höhen und Tiefen (wie auch der Gegner) meisterte, war schon beeindruckend. Deshalb heute keine Manöverkritik, sondern einfach „Danke für ein grandioses Spiel“! Pierre fasste nochmal zum Schluss das Spiel treffend zusammen: „Wir haben ein Spiel auf hohem taktischen Niveau auf beiden Seiten erlebt! Jedes Team versuchte dem Gegner sein Stempel aufzudrücken, was aber nur selten genug gelang. Ich bin mit unseren Jungs sehr zufrieden, denn es war nicht einfach gegen den heutigen hochmotivierten Gegner zu bestehen. Ein Sonderlob möchte ich Salomo ausstellen, der in den kritischen Abschnitten den Mut fand, 1-zu-1-Situationen erfolgreich zu gestalten und uns im Spiel hielt.“

Zum Jahresabschluss noch ein Dank an alle, die ihre Freizeit für das A-Team opfern und Woche für Woche mit dem Team reisen und diese unvergesslichen Wochenenden möglich machen. Und bitte dran denken, beim nächsten Mal bringt einer den Baldrian für alle Fälle mit! Frohes Fest und guten Rutsch wünscht Euch allen, Eure mA-Jugend.

Es spielten für die SGÜ: Nils Waldrich (TW), Maximilian Heidrich (TW), Philipp Thomas (10/5), Salomo Ortega-Sawal (8), Tom van der Heuvel (5), Henrik Nocke (2),  Lukas Tholen (2), Florian Brombach (1), Luca Felter, Ole Vetterlein, Jonas Graef, Maximilian Gewehr, Jakob Oehrl und Manuel Rademacher

Aus Respekt für einen ebenbürtigen Gegner spielten für den ETB: Constantin Gramsch (TW), Nicolas Falke (9/4), Jan Bergander (6), Niclas Edelkötter (4), Jannis Achatz (4), Max von Maltzahn (3), Dominik Schulze (2), Max Jetter, Maximilian Reimann, Niklas Schulz, Jonas Arns und Nando-Le Hülsewiesche

Bilder: Carsten Thomas                                                 Fotoalbum: ETB – SGÜ

A-Jugend: Es ist Derbyzeit!

mA-OL:   ETB SW Essen – SG Überruhr      So. 17.12.17 um 13:35 Uhr

 

Wo? Helmholtz-SH, Rosatr. 83, Essen-Rüttenscheid
Gegner? Der derzeitige Tabellendritte, ETB SW Essen, ist in einer ausgezeichneten Verfassung und verfügt in dieser Saison über das Potential und die spielerische Klasse um oben mitzuspielen. Nur gegen den TSV Kaldenkirchen gab es einen deutlichen  Ausrutscher, ansonsten wurden alle Spiele konstant gut und sehr erfolgreich gestaltet. Das schnelle bewegliche Passspiel im Angriff mit einem ausgezeichneten Torhüter hinten ist deren Stärke.
 Unsere Form? Nach einem kurzen Tief zwischen dem 3. und 5. Spieltag, welches den 8. Tabellenplatz einbrachte, hat sich das Team gefangen und eine tolle Aufholjagd gestartet, die es mittlerweile auf den 4. Platz gebracht hat. Vor allem die Art und Weise wie einzelne Spiele noch aus dem Feuer gerissen wurden, waren beeindruckend und erfreuten den Anhang. Wenn die Abwehr mit unseren Torhütern steht, hat es jede Mannschaft schwer.
Worum geht’s? Schlicht und einfach um den 3. Platz in der OL! Wer dieses Spiel gewinnt etabliert sich langfristig unter den TOP3.
Unterhaltungsfaktor? Hoch! Zwei gleichwertige Essener Mannschaften, die sich in früheren Partien nie was geschenkt haben, treffen aufeinander um kurz vor den Feiertagen  die Vorherrschaft im Essener Süden zu klären.
Schlüssel zum Sieg? Fokussiert in der Abwehr arbeiten, um das schnelle Spiel des Gegners zu unterbinden und dann im Angriff die entsprechenden Nadelstiche zu setzen.
Weg in die Niederlage? Kein Zugriff auf den beweglichen Gegner erhalten, sich mit Fouls zu behelfen, um dann die berüchtigten Zeitstrafen zu erhalten, die am eigenen Selbstvertrauen nagen.
Fazit: Es läuft auf ein knappes Spiel hinaus, welches jedes Team für sich entscheiden kann. Die Tagesform und der mitgebrachte Anhang wird wohl am Ende über Sieg oder Niederlage entscheiden. Auf jeden Fall haben sich beide Mannschaften durch ihre bisherige Leistungen viele Zuschauer für dieses Spiel verdient. Wer hochklassigen Jugend-Handball sehen will, darf diesen Termin nicht verpassen!

Verdiente Niederlage im Lokalderby

Am vergangenen Sonntag kam es zum lang erwarteten ersten Aufeinandertreffen der zwei Essener Oberligavertreter, des TuSEM2 und der SG Überruhr, in der SH „Lührmannwald“. Die Sporthalle war für ein B-Jugend-Spiel mit knapp 120 Zuschauern ausgezeichnet besucht, so dass von Anfang an vor einer eindrucksvollen Kulisse gespielt wurde. Die Ausgangslage für beide Teams konnte nicht unterschiedlicher sein: Der TuSEM hatte zuletzt vier zum Teil schmerzliche Niederlagen in Folge kassiert, die SGÜ kam mit breiter Brust aus den letzten drei siegreich gestalteten Partien an. So waren die Rollen klar verteilt, aber wie jeder weiß, haben Derbys ihre eigenen Gesetze..!

Zunächst startete das Spiel mit einem vorsichtigen Abtasten auf beiden Seiten. Den Spielern aus der Margarethenhöhe merkte man den Respekt vor dem Gegner in den Anfangsminuten an, wogegen die Überruhrer unerklärlicherweise ihre Anfangspräsenz vermissen ließen und etwas verunsichert daher kamen. So war bis zur 5. Minute nicht viel passiert, was ein 2:2-Zwichenstand wiederspiegelte. Beide Abwehrreihen verschoben sich gut und machten es dem Gegner schwer zu einem Torwurf zu kommen. Da aber der jeweilige Angriff nicht sehr einfallsreich agierte, war diese Aufgabe ziemlich einfach zu lösen. Plötzlich wurden die Aktionen der SGÜ mutiger. Weil das Spiel über die Außen wieder einmal nicht stattfand, wurde zumindest mehrfach der Kreisanspiel gesucht und erfolgreich abgeschlossen. Dies führte zu einer zu diesem Zeitpunkt verdienten 2:5-Führung für die SGÜ. Doch diese Führung schien das Team eher einzulullen, als Sicherheit zu geben! Wieder einmal verfiel man in das pomadige Spiel der Anfangsphase und der TuSEM witterte Morgenluft, um dann in der 13. Minute zum 5:5 in einer torarmen ersten Halbzeit auszugleichen. Wie die Jungs von der Halbinsel bis zur 19. Minute eine mehr als schmeichelhafte 5:9-Führung herausspielten, war den meisten Anwesenden unerklärlich. Der TuSEM-Angriff kam fast immer zum Abschluss und scheiterte entweder knapp oder an unseren gut aufgelegten Torhütern. Unsere Angriffsformation leistete sich dagegen einen technischen Fehler nach dem anderen und war nur durch Einzelaktionen, wie Gewaltwürfe oder schnelle Kreisläufe, erfolgreich. Im SGÜ-Anhang war man sich einig, wenn die TuSEM-Akteure Zielwasser trinken, wird es schwer. Und so kam es, wie es kommen musste… Der TuSEM lief durch die zum Teil haarsträubenden Fehler der SGÜ heiß, ließ sich durch den Rückstand nicht aus der Fassung bringen und holte Tor um Tor gegen mittlerweile hilflose Überruhrer auf. Symptomatisch für das ganze Spiel war die letzte Aktion 20 Sekunden vor Ende der ersten Hälfte beim Stand von 9:9. Der Angriffszug der Überruhrer wurde durch einen abgefangenen Pass zu einem Tempogegenstoß des Gegners. Der anschließende Torwurf wurde von Max prima entschärft und landete in unseren Reihen. Dann zum Entsetzen des SGÜ-Anhanges wurde der Ball ohne Not aus kurzer Distanz zu einem TuSEM-Spieler „gepasst“. Dieser bedankte sich und netzte zum 10:9-Halbzeitstand ein. Eine Aktion, die Signalwirkung für beide Teams hatte…

Zu Beginn der 2. Halbzeit war die Körpersprache entsprechend: Die Führungsspieler des TuSEM strotzten nur so von Selbstvertrauen, die der SGÜ wirkten nach wie vor verunsichert. Da man aber die Fehler zunächst abstellte und zu einem sicheren Spielaufbau gewechselt wurde, blieb das Spiel bis zur 40. Minute offen. Hauptsächlich Jonas überzeugte auf SGÜ-Seite, der es immer wieder verstand, seinen Gegenüber auszuspielen, um frei am Kreis zum erfolgreichen Torwurf zu kommen. Was aber nicht mehr funktionierte, war die Abwehrarbeit. Der TuSEM hatte sich nach der Pause auf unsere Abwehr eingestellt und erarbeitete sich viele Möglichkeiten durch schnelle Kombinationen durch die Mitte, gepaart mit knallharten Würfen aus dem linken Halbfeld. So ging es über ein 12:12 (30.), ein 16:16 (35.) und ein 20:20 (40.) in die entscheidende Phase des spannenden Spiels. 10 Minuten vor Schluss kassierte die SGÜ eine berechtigte 2-Minuten-Strafe, die mit einem 22:21-Rückstand ziemlich schadlos überstanden wurde. Dann folgte der Genickbrecher für die Überruhrer. Beim darauffolgenden Angriff sollten die Torhüter ausgewechselt werden. Leider wurde der Ball mitten im Wechsel wieder abgefangen, so dass beide Torhüter Richtung leerem Tor rannten. Dies blieb dem aufmerksamen Schiedsrichtergespann nicht verborgen, so dass die nächste Strafe gegen die SGÜ sieben Minuten vor Schluss verhängt wurde. Mit leerem Akku und durch die selbstverschuldete Dezimierung demoralisiert ließ man den Gegner kurzzeitig gewähren. Dieser nutzte die Chance und zog auf 26:22 bis zur 45. Minute davon. Zwar konnte sich die SGÜ nochmals fangen, aber um den 4-Tore-Vorsprung aufzuholen fehlte einfach die Kraft, der Kampfeswille und die Überzeugung das Spiel zu drehen. Der TuSEM dagegen verwaltete im Bewusstsein des sicheren Sieges das Match souverän zum verdienten Endstand von 30:26.

Der Sieg für den TuSEM geht völlig in Ordnung, da diese mit vier voll engagierten Spielern unserem Team während des gesamten Spiels das Leben schwer gemacht haben. Die SGÜ ließ leider den nötigen, sonst immer vorhandenen Siegeswillen über weite Strecken vermissen. Dieser hätte die an diesem Tag aufgetretene Spielschwäche ausgleichen können. Da der eine oder andere Leistungsträger einen schlechten Tag erwischte, müssen andere Spielzüge (die Außen?) gerade durch diese in Betracht gezogen werden, wenn es nicht läuft. Ein Spiel kann ohne Zweifel verloren werden, nur wie es verloren wurde, tut erstmal weh. Man muss die Lehren daraus ziehen, sich dann aber auf die zukünftigen Aufgaben freuen. Abhaken und fertig! Herausstellen sollte man die Leistung von Jonas, der sich von Spiel zu Spiel immer weiter verbessert und vom früheren „Haudrauf“, zum sicheren Schützen am Kreis entwickelt. Auch Salomo und die Torhüter waren Stabilitätsfaktoren während des Spiels. Wichtig ist, Nackenschläge möglichst schnell zu verdauen, um selbst wenn es gar nicht läuft, immer noch dagegen zu halten und auf seine Chance, sei sie noch so klein, geduldig zu warten. Kopf hoch Jungs! Oberliga ist nun mal ein hartes Brot und auf eure Hinrunde könnt ihr stolz sein.

Es spielten: Nils Waldrich (TW), Max Heidrich (TW), Tristan Degener (TW), Julius Steinhauer (9/1), Jonas Graef (7), Salomo Ortega-Sawal  (7/4), Torben-Bo Enigk (3), Tom van der Heuvel , Jesko Hünselar, Fredrik Camp, Christopher Felsch, Henrik Nocke, Tom Schiffbauer und Jakob Oerl