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Elektrisierendes Derby endet mit einem mehr als glücklichen Sieg für die SGÜ!

mA-OL:    SG Überruhr   –  ETB SW Essen         33 : 32   (17 : 19)

Schon bei der Parkplatzsuche an der Klapperstr. stellte man früh fest, dass es am vergangenen Sonntag Derbyzeit war! Wer zu spät kam, durfte lange nach einem Parkplatz suchen, um dann vom Gewitter beim Hallengang noch einmal die Leviten für zu spätes Kommen gelesen zu bekommen. Einmal in der Halle stellte man dann fest, dass fast annähernd 250 Zuschauer vor Ort waren, um dem letzten Derby des 99er-Jahrganges beizuwohnen. Bis zum Ende des Matches sollten noch viel mehr Zuschauer in die Sportstätte pilgern und es sollte sich wieder einmal lohnen! Die Trainer beider Teams stellten alle spielberechtigten 99er auf und gaben diesen somit die Möglichkeit sich im allerletzten Jugendspiel vor dieser sagenhaften Kulisse zu präsentieren. Die Ausgangslage vor dem Match war eigentlich klar: Die SGÜ stand als Vizemeister fest und der ETB konnte den dritten Platz nach dem Haaner Sieg am Samstag nicht mehr zurückerobern. So ging man von einem gemütlichen Schaulaufen auf dem Spielfeld aus, aber mitnichten! Es war ja Derbyzeit…

Beide Angriffsreihen starteten wie die Feuerwehr. Ein Spielzug nach dem anderen wurde erfolgreich zu Ende geführt und die gegnerische Abwehr mehr als einmal schwindelig gespielt. Die SGÜ-Stärke aus einer sicheren Abwehr zu spielen, fand nicht statt. Auch der ETB ließ unsere Jungs erst einmal im Angriff gewähren, um anschließend sofort zum erfolgreichen Gegenschlag auszuholen. So stand es nach fünf Minuten 5:5, ohne dass die jeweilige Abwehr Zugriff auf den Gegner bekam. Die Torhüter auf beiden Seiten, Rene Seifert (SGÜ) und Jona Stachelhaus (ETB), sahen sich regelmässig vor schwer lösbaren Aufgaben gestellt und hatten keine Möglichkeit sich gegen die gut vorgetragenen Angriffskombinationen auszuzeichnen. Bis zur 10. Minute passten sich die Abwehrreihen etwas dem gegnerischen Angriff an, so dass die Torflut beim Stand von 8:8 etwas eingedämmt wurde. Alle auf der Tribüne merkten aber spätestens jetzt, dass beide Teams das Spiel voll fokussiert angingen! Beide Mannschaften wollten wohl an diesem Tag das Spielfeld als Sieger verlassen. Bis zur 12. Minute zog auf einmal die SGÜ erstmalig auf 11:8 davon, was eine sofortige Auszeit vom ETB-Coach, Christian Bellenbaum, zur Folge hatte. Das Timeout zeigte Wirkung, denn der ETB konnte den Rückstand bis zur 16. Minute auf 13:11 verkürzen. Dann folgte eine von vielen Schlüsselszenen in diesem Spiel: Torben Enigk versuchte den bereits durchgestarteten Dominik Schulze am Wurf zu hindern, fiel mit ihm unglücklich auf den Boden und kassierte eine Zweiminutenstrafe. Besonders schlimm war, dass der SGÜ-Kapitän sich bei dieser Aktion so schwer verletzte, dass er, eine wichtige Abwehrsäule, aus dem Match ausscheiden musste. Das Spiel der SGÜ wurde jetzt etwas konfuser und dadurch, dass das Gespann (auf beiden Seiten) zunächst nicht konsequent das eine oder andere Foul ahndete, wurde das Match allgemein ruppiger. So sah sich Pierre Sieberin, Coach der SGÜ, genötigt in Minute 18:30 beim Stand von 14:12 sein erstes Timeout zu ziehen, um mehr Linie in das SGÜ-Spiel zu bringen. Allerdings profitierte der ETB von der kurzen Spielpause, sah die plötzlich auftretenden Unsicherheiten beim Gastgeber und nutzte diese zum Entsetzen des SGÜ-Anhanges eiskalt bis zur 26. Minute zum Stand von 14:16 aus. Pierre musste notgedrungen seine zweite Auszeit aus dem Ärmel zücken, um die vorhandene Unsicherheit im SGÜ-Spiel auszumerzen. Bis zur 29. Minute hielt die SGÜ gegen einen zu diesem Zeitpunkt überlegenen Gegner den Abstand (16:18) gleich, bis sich Florian Brombach zu einer „Bowling“-Aktion hinreißen ließ und den frei durchstartenden Carl Vogt kurz vor dem Kreis von der Seite abräumte. Den Schiedsrichtern blieb nichts anderes übrig, als ihm eine verdiente rote Karte überzubraten und damit seine Abschiedsvorstellung vorzeitig zu beenden. Den fälligen Siebenmeter verwandelte Vogt selbst, doch Philipp Thomas konnte kurz vor Schluss auf 17:19 verkürzen. Duplizität der Ereignisse, denn auch im Hinspiel ging der ETB mit einer 2-Tore-Führung in die Pause. Die Anwesenden, die schon beim Hinspiel dabei gewesen waren, ahnten schon, dass hier noch Dramatisches passieren würde und sie sollten recht behalten.

Zu Beginn der 2. Halbzeit ging es wieder munter los. Der jeweilige Angriff setzte sich erneut gekonnt in Szene und die gegnerische Abwehr inkl. Torhüter konnten nur machtlos ein Gegentor nach dem anderen hinnehmen. Dabei wurden auf beiden Seiten sehenswerte Kombinationen, wie aus dem Handballlehrbuch gezeigt. So stand es in der 35. Minute nach einem fulminanten Start 22:24. Jetzt berappelten sich die Abwehrreihen wieder und die Torproduktion geriet ins Stocken. Auf einmal besann sich die SGÜ über die Außen zu spielen und konnte mit Jesko Hünselar (2) und Lukas Tholen (1) bis zur 45. Minute den 27:27-Ausgleich erzielen. Nur Nicolas Falke (2) versuchte auf ETB-Seite in diesem Augenblick das Momentum zu behalten. Zwei aufeinander folgende Strafen gegen den ETB um die 46. Minute herum schien unser Team auf die Siegerstrasse zu hieven. Jetzt wurde das Spiel ganz hektisch, denn das Gespann griff phasenweise hart durch, um Minuten später wieder viel durchgehen zu lassen, was nicht gerade zur Nervenberuhigung beitrug. Dies taten sie aber zum Glück auf beiden Seiten, so dass kein Team bevorteilt wurde. Bis zur 52. Minute erarbeitete sich der Gastgeber eine eigentlich beruhigende 30:27-Führung, aber der Gegner war nun mal der ETB und der SGÜ-Anhang ahnte schon, dass hier vor einer mittlerweile hochemotionalen Atmosphäre mit knapp 300 Zuschauer noch nicht das letzte Wort gesprochen worden war. Mit dem Mute der Verzweiflung schafften Jannis Achatz und Nicolas Falke bis zur 54. Minute gegen jetzt etwas passive Überruhrer den Anschluss (30:29), um dann mit einem Zwischenspurt in der 56. Minute die erneute 30:31-Führung für die Rüttenscheider zu erzielen. Dramatik pur! Waren unsere Jungs noch in der Lage zurückkommen..? Natürlich, denn „aufgeben“ ist ein Wort, das sie nicht kennen (wie auch der Gegner)! Julius Steinhauer und Philipp Thomas rissen nochmal das Ruder bis zur 58. Minute zum 32:31-Zwischenstand rum. Das Match stand auf Messers Schneide und dann… Duplizität der Ereignisse. Wie im Hinspiel ereilte uns eine Zweiminutenstrafe in Minute 58:02, also wieder die letzten zwei Minuten in Unterzahl. Die Rüttenscheider spielten den Angriff selbstbewusst aus und erzwangen den vierten Siebenmeter (58:37), welches von Vogt erneut sicher zum 32:32 eingenetzt wurde. Aufgrund der dramatischen Ereignisse in der letzten Minute bemühen wir mal wieder den Ticker (irgendwie klassisch gegen den ETB):

58:45 Die SGÜ wirft nach dem Gegentor vom Mittelkreis an. Pierre hält bereits die grüne Karte in der Hand. Der ETB geht selbstbewusst an den Ballführenden ran und versucht den Aufbau empfindlich zu stören.

58:55 Philipp zeigt bei der Ballannahme eine kleine Unsicherheit und Schulze ist sofort bei ihm, luchst ihm zum Entsetzen des SGÜ-Anhanges den Ball ab, doch der freie Ball kann von Bastian Brill gesichert werden. Pierre, etwas blass im Gesicht, nimmt sofort seine letzte Auszeit, um seine fünf Recken zu beruhigen und neu aufzustellen.

58:57 Das Timeout zeigt Wirkung, denn die verbliebenen fünf Spieler verschieben gut und warten auf ihre Chance, ohne den ETB nochmal in Ballnähe zu lassen.

59:29 Bastian Brill kriegt auf einmal den Ball am Kreis durchgesteckt und kann trotz harter Bedrängnis erfolgreich zur 33:32-Führung einnetzen. Jubel beim SGÜ-, Entsetzen beim ETB-Anhang.

59:32 Der ETB wirft an und man merkt, dass sich die Rüttenscheider aufgrund des wohlüberlegten Spielaufbaus für ein sicheres Remis, statt eines Sieges auf Biegen oder Brechen entschieden haben.

59:39 Auf einmal fehlt die Zuordnung im Abwehrverbund und es tut sich eine große Lücke mitten in der SGÜ-Abwehr auf. Der ballführende ETB-Akteur lässt sich nicht zweimal bitten, kommt frei zum Wurf… und scheitert an einer tollen Parade von Rene Seifert, der jetzt das A-Team im Spiel hält.

59:40 Den Abpraller kann Bastian sichern, jedoch kann er sich in den nächsten drei Sekunden nicht entscheiden wen er anspielen soll und die Schiedsrichter pfeifen ihn regelkonform ab.

59:44 Der ETB-Freiwurf wird schnell ausgeführt und landet beim wieselflinken Schulze, der auf seiner Seite noch zwei freie Anspielmöglichkeiten hat.

59:45 Er versucht noch David Crowther auszuspielen, der ihn in seiner Verzweiflung bei vollem Lauftempo mit ausgestrecktem Arm zu packen versucht und ohne Rücksicht auf Verluste regelrecht niederstreckt. Die Uhr wird angehalten und die Emotionen kochen auf der Tribüne zurecht hoch. Ergebnis: Die blaue Karte für den bedröppelt dreinguckenden David, der sich zumindest bei seinem Gegenüber entschuldigt, und einen berechtigten Siebenmeter für grobe Unsportlichkeit in den letzten 30 Sekunden. Nur noch mit vier Feldspielern sieht die SGÜ nun zu, wie Vogt zum fünften Mal antritt… und diesmal kann Rene den Ball abwehren, doch die Kugel landet zurück beim ETB! Die Uhr läuft wieder und die Halle bebt vor Spannung!

59:46 Bei 6 gegen 4 sucht der ETB nunmehr hektisch nach einer entsprechenden Lücke gegen die aufopferungsvoll deckende SGÜ-Rumpfabwehr.

59:54 Der Ball wird auf einmal sauber an den Kreis durchgesteckt und der ETB-Kreisläufer steht urplötzlich frei vor Rene, so dass er sofort abzieht. Doch wieder kriegt Rene, weit vor seinem Tor, eine Hand dazwischen und der Ball fliegt im Bogen an die Neunmeterlinie, wo ein Rüttenscheider diesen aufnimmt.

59:55 Die Spieler wissen, dass nur noch wenige Sekunden zu spielen sind, also fasst sich der ETB-Akteur ein Herz, findet sofort eine weitere Lücke im jetzt indisponierten Abwehrverbund und setzt zum Sprung an.

59:56 Rene stolpert Richtung Tor zurück, um den Winkel zu verkürzen. Alle halten den Atem an, der Rüttenscheider wirft… und trifft untröstlich nur den Außenpfosten!

59:57 Von dort fliegt der Ball ins Seitenaus und die verbliebenen SGÜ-Spieler machen sich erst gar nicht die Mühe nach der Kugel zu suchen, um mit der Schlusssirene den knappen Sieg zu feiern.

Waren alle Anwesenden beim Hinspiel begeistert vom Auftreten beider Teams, blieb diesmal ein fader Beigeschmack haften trotz des nervenzerreissenden Matches. Die kurzzeitig auftretende übertriebene Härte mancher Akteure hatte bei diesem Match, das eigentlich für die Tabellensituation bedeutungslos war, nichts zu suchen. Aber es war nun mal ein prestigeträchtiges Derby und diese haben ja bekanntlich ihre eigenen Gesetze. Die Kontrahenten hatten an diesem Tag jedenfalls nicht vor, das Spiel locker angehen zu lassen. und demonstrierten knallhart ihren Siegeswillen. Umso bedauerlicher die Niederlage für den untröstlichen ETB, der mit Sicherheit ein Punkt verdient gehabt hätte. Wieder gab sich keine Mannschaft auf, wieder wechselte das Momentum hin und her und wieder musste der jeweilige Anhang die emotionale Berg- und Talfahrt mit seinem Team durchmachen. Am Ende entschied aber das Glück (Pfostentreffer) und die entscheidenden Paraden von Rene Seifert das Spiel, welches keinen Sieger verdient gehabt hätte. Den 99ern, die ihr letztes Jugendspiel vor einer tollen Kulisse ( Danke an alle Anwesenden!) absolviert haben, gebührt unser Dank und unser Respekt für ihr jahrelanges Engagement im Essener Handballsport. Wir wünschen allen zum Saisonabschluss eine erholsame Zeit und den Akteuren viel Erfolg bei den Senioren bzw. bei der anstehenden Jugend-Qualifikation!

Es spielten für die SGÜ und den ETB: Constantin Gramsch (TW, ETB), Rene Seifert (TW, SGÜ), Jona Stachelhaus (TW, ETB), Philipp Thomas (15/4, SGÜ), Carl Vogt (8/4, ETB), Jan Bergander (6, ETB), Nicolas Falke (6, ETB), David Crowther (5, SGÜ), Dominik Schulze (5, ETB),  Lukas Tholen (4, SGÜ), Bastian Brill (3, SGÜ), Jannis Achatz (2, ETB), Tom van der Heuvel (2, SGÜ), Jesko Hünselar (2, SGÜ), Max Jetter (2, ETB), Moritz Altkemper (1, ETB), Nando-Le Hülsewiesche (1, ETB), Salomo Ortega-Sawal (1, SGÜ), Maximilian Reimann (1, ETB), Julius Steinhauer (1, SGÜ), sowie Florian Brombach (SGÜ), Fredrik Camp (SGÜ), Torben-Bo Enigk (SGÜ), Luca Felter (SGÜ), Max von Maltzahn (ETB), Manuel Rademacher (SGÜ) und Niklas Schulz (ETB)

Der 99er-Jahrgang verabschiedet sich mit dem Derby

mA-OL:   SG Überruhr   –   ETB SW Essen     So: 22.04.18, 16:00, Klapperstr.

Am kommenden Sonntag findet das letzte Spiel der diesjährigen A-Jugend-HVN-Oberligasaison in der SH „Klapperstr.“ statt. Besser hätte es nicht kommen können, denn ausgerechnet zum Abschlussspiel treffen wir auf den jahrelangen, stets respektierten Dauerrivalen aus Rüttenscheid, dem ETB SW Essen! Dieser ist ebenfalls mit seinem 99er-Kader auf Abschiedstournee und will nochmal die letzte Gelegenheit nutzen sich ein weiteres Mal mit uns im „Klassiker“ zu messen und gegebenenfalls erstmalig in der „Klapperhölle“ zu punkten. Gefühlt seit der F-Jugend (Mini-Turniere am Hallo) trafen die Akteure regelmäßig aufeinander.

Für die SGÜ steht die OL-Vizemeisterschaft nach dem holprigen Sieg in Ratingen fest, so dass das Team frei von der Leber das Derby angehen kann. Der ETB kann mit einem Sieg noch den dritten Tabellenplatz zurückerobern. Wer sich noch an das großartige Hinspiel an der Helmholtzhalle erinnert, kann sich hoffentlich auf ein elektrisierendes Derby in Überruhr freuen. Beide Mannschaften haben einen würdigen Saison- und vor allem Jugendausklang verdient und hoffen auf zahlreiche Unterstützung ihres jeweiligen Anhanges!

Folgende Spieler werden voraussichtlich ihr letztes Jugendmeisterschaftsspiel für ihren jeweiligen Verein bestreiten:

Moritz Altkemper (ETB),  Florian Brombach (SGÜ), Fredrik Camp (SGÜ),  Torben-Bo Enigk (SGÜ),  Nicolas Falke (ETB), Luca Felter (SGÜ), Constantin Gramsch (ETB), Maximilian Heidrich (SGÜ), Jesko Hünselar (SGÜ), Max Jetter (ETB), Salomo Ortega-Sawal (SGÜ), Manuel Rademacher (SGÜ), Maximilian Reimann (ETB), Dominik Schulze (ETB), Jona Stachelhaus (ETB), Julius Steinhauer (SGÜ), Lukas Tholen (SGÜ), Carl Vogt (ETB) und Nils Waldrich (SGÜ).

Es wäre schön, wenn alle Verwandte, Freunde und Wegbegleiter oben genannter Spieler den Weg in die Klapperstr. am Sonntag um 16:00 Uhr finden würden, um diese zum Teil altgedienten Essener „Jugendrecken“ bei deren letztem offiziellen Jugendmatch zu unterstützen. Wir freuen uns auf eine stimmungsvolle Begegnung, bis Sonntag!

Zur Erinnerung der Bericht aus dem Hinspiel:   ETB – SGÜ

Dramatik pur bis zur allerletzten Sekunde!

mA-OL:   ETB SW Essen   –  SG Überruhr        28 : 28   (15 : 13)

Selten hat man für einen 2€-Ticket so viel Spannung geboten bekommen, wie beim Stelldichein der zwei besten Essener A-Jugend-Mannschaften hinter dem TuSEM am vergangenen 3. Advent. Das hochstilisierte Duell um die Handballvorherrschaft im Essener Süden sollte in der Helmholtzhalle alles halten, was im Vorfeld berichtet worden war. ETB- und SGÜ-Anhang mobilisierten alle Kräfte, um ihr Team zu unterstützen, wobei eindeutig ein personelles und lautstarkes Übergewicht auf Überruhrer Seite lag. So fanden sich bis zum Spielende sicherlich ca. 100 bis 110 Zuschauer ein, die ihr Kommen in einer sagenhaften Derbyatmosphäre nicht bereuen sollten.

Die Spielsysteme waren klar definiert: Der ETB würde mit schnellem und überraschendem Passspiel versuchen die vermeintlich träge SGÜ-Abwehr zu düpieren, die SGÜ hingegen versuchen den beweglichen Gegner früh zu stören, um dessen Aufbauspiel im Keim zu ersticken und dann die entsprechenden Konter zu setzen. Zunächst sollte der ETB die ersten Akzente setzen. Schnell fanden die Rüttenscheider den Schlüssel, um unsere Abwehr gehörig unter Druck zu setzen und am Ende eines gut geplanten Spielzuges den entsprechenden Mitspieler am Kreis erfolgreich anzuspielen. Wie immer versuchte unser Team sich erstmal an den Gegner aus einer sicheren Abwehr zu gewöhnen, ohne allerdings im Angriff durchschlagskräftig zu agieren, so dass bis zur 7. Minute ein 3:1-Rückstand hingenommen werden musste. Allen Spielern wurde spätestens jetzt klar, dass eine „normale“ Leistung für einen Torerfolg gegen die gegnerische Abwehr inklusive ausgezeichnetem Torhüter nicht reichen würde und so belauerte man sich gegenseitig , um im richtigen Augenblick zuzuschlagen. Dies gelang bis zur 11. Minute den Überruhrern, die eine kurze Schwächephase des ETB zur 3:4-Führung nutzten. Sofort reagierte der ETB mit einem Timeout, um den aufkommenden Spielfluss der SGÜ zu unterbinden, was auch gelang. So ging es jetzt hin und her, ohne dass sich eine Mannschaft mehr als ein Ein-Tore-Vorsprung erarbeiten konnte. Beide Teams hielten sich an ihre taktischen Vorgaben, versuchten diese dem Gegner aufzudrängen und merkten, dass auf der anderen Seite ein ebenbürtiges Team stand, das keine Lust hatte nachzugeben. Von der 14. Bis zur 23. Minute kassierte auf einmal der ETB drei aufeinander folgende Zeitstrafen, die von der SGÜ auf fahrlässige Art und Weise nicht genutzt wurden. Selbst ein Timeout durch Pierre brachte nicht die nötige Sicherheit, um die Abwehr zu stabilisieren, denn der ETB agierte selbst in Unterzahl äußerst erfolgreich und fand regelmäßig eine Lücke im leicht indisponierten Abwehrverbund zum Torerfolg. Gestützt auf diese Leistung nahmen die Rüttenscheider das Heft in die Hand und gingen verdient in der 26. Minute mit 12:10 gegen jetzt etwas verunsicherte Überruhrer in Führung. Diesen Zwei-Tore-Vorsprung verwaltete der ETB bis zum Ende der 1. Halbzeit souverän, wobei auch eine Zeitstrafe gegen unser Team ausgesprochen wurde, ohne dass der ETB Kapital davon schlagen konnte, um mit 15:13 in die Pause zu gehen.

Der SGÜ-Anhang guckte nun etwas bedröppelt rein. Irgendwie hatte man sich die Aufgabe beim Nachbarn einfacher vorgestellt. Die verdiente Führung des ETB gab doch zu denken, da unsere Jungs gerade in der Abwehr das eine oder andere Mal zu spät kamen und unsere Torhüter vor kaum lösbaren Aufgaben stellten. Dafür musste sich der Angriff jedes Mal ein Tor gegen die schnell zupackende gegnerische Abwehr hart erkämpfen. Wie lange würde der ETB das hohe Tempo halten? Würde unser Team, wie so oft, den zweiten Atem bekommen und entscheidend zurückschlagen? Es sah zunächst nicht gut aus, denn die Rüttenscheider machten da weiter, wo sie aufgehört hatten und nutzten das Momentum der SGÜ-Unsicherheit aus, um bis zur 37. Minute mit 20:16 in Führung zu gehen. Lediglich Salomo Ortega-Sawal stemmte sich gegen die Niederlage und schaffte es  den Abstand erträglich zu gestalten. Eine Minute später bekam der ETB noch ein Siebenmeter zugesprochen,,, und verwarf! Pierre nutzte die Gunst der Stunde, nahm eine Auszeit, stellte das Team neu ein und hoffte auf eine positive Reaktion. Der ETB war im Angriff verunsichert, doch man kam nicht ran! Der Rückstand blieb in etwa gleich und die Zeit rannte davon. In der 43. Minute setzte Pierre alles auf eine Karte und wechselte Luca Felter ein, der erstmalig seit seiner schweren Verletzung vor einem Jahr zum Einsatz kam und der Abwehr wieder die nötige Stabilität zurückgab. Zudem sollte er im Angriff die nötigen Lücken für Salomo und Philipp Thomas schaffen, damit sich der Torerfolg noch in der letzten Viertelstunde einstellen konnte. Der ETB-Trainer schien den Braten zu riechen und stellte sein Team über eine Auszeit auf die kommenden Aufgaben ein. Doch auf einmal stand der ETB neben sich, fabrizierte zwei leichte Fehler, die dann von der SGÜ konsequent zum 22:21-Zwischenstand ausgenutzt wurden. Jetzt kippt wohl das Spiel, dachte sich der SGÜ-Anhang… mitnichten! Die Rüttenscheider schlugen gnadenlos zurück und erzielten bis zur 47. Minute erneut eine für sie beruhigende 24:21-Führung. Im Anschluss kassierte der ETB bei einer Abwehraktion allerdings eine weitere Zeitstrafe und die SGÜ kämpfte sich wieder auf 24:23 heran. Die Berg- und Talfahrt war nichts für schwache Nerven und jeder, ob ETB- oder SGÜ-Fan, litt mit seiner Mannschaft mit. Urplötzlich wurde Luca frei am Kreis angespielt und sein Gegenüber wusste sich nicht anders, als mit einem Foul zu helfen. Dabei fiel er unglücklich auf Luca drauf, so dass das umsichtige Schiedsrichtergespann einen berechtigten Siebenmeter verhängte aber auch dem ETB-Abwehrrecken eine sehr harte rote Karte aussprach. In diesem Augenblick (49. Minute) wechselte das Momentum auf die SGÜ-Seite. Den fälligen Siebenmeter verwandelte Philipp sicher, wie alle anderen zuvor, zum 24:24-Ausgleich und der ETB, bereits mit einem Mann weniger, musste sein Glück zu viert versuchen. Die SGÜ nutzte zunächst das ETB-Manko und ging bis zur 51. Minute mit 25:26 in Führung, doch dann gab man den Vorteil durch zwei dumme Zeitstrafen (unnötiges Foul und Wechselfehler) wieder her. Jetzt schlug aber die Stunde von Nils Waldrich im SGÜ-Tor, der ein ums andere Mal die Würfe des ETB entschärfte, um selbst in Unterzahl zum erfolgreichen Gegenschlag auszuholen. So stand es in der 56. Minute noch mit einem Mann weniger 25:28 für die Überruhrer und man wähnte sich auf der Siegerstrasse. Doch Kompliment an den Gegner, der nicht aufgab und seinerseits alles auf eine Karte setzte, um schnell den Anschluss zu schaffen. Die ETB-Lösung war recht einfach: Da die SGÜ zu fünft agierte, wurde Jan Bergander (RR) gesucht, welcher regelmäßig eine Lücke fand, um einen freien Mitspieler entscheidend anzuspielen oder völlig frei vor Nils aufzutauchen und erfolgreich einzunetzen. Die SGÜ-Abwehr war verunsichert, so dass alle Hoffnungen im Angriff ruhten, doch auch Constantin Gramsch , der Ersatztorhüter des ETB, erwischte einen Bombentag und vereitelte die Versuche unseres Teams. Beim Versuch einen abgewehrten Ball zurückzuerobern, sah das Schiedsrichtergespann ein strafwürdiges Foul eines SGÜ-Akteurs und verhängte in der 58. Minute die letzte Zeitstrafe des Spiels beim Stand von 27:28. Genau diese Situation sollte eigentlich verhindert werden und man merkte den ETB-Spielern an, dass sie entschlossen waren dieses Geschenk anzunehmen, wogegen die Überruhrer, zuvor noch den sicheren Sieg vor Augen, nun mit ihrem Schicksal haderten. Das Momentum wechselte mal wieder auf die ETB-Seite und wie unsere Jungs da den Kopf noch aus der Schlinge ziehen würden, war für den SGÜ-Anhang nicht mehr nachzuvollziehen. So spielte der ETB seine Standardkombination und Bergander erzielte viel zu früh in Minute 58:30 den verdienten Ausgleich zum 28:28. Verzweifelt versuchten anschließend unsere Jungs eine Lücke im gegnerischen Abwehrbollwerk zu finden und als der Arm der Schiedsrichter hochging, war nur noch ein Verzweiflungswurf drin, der von Gramsch entschärft wurde. Mit der Balleroberung nahm der ETB-Trainer seine letzte Auszeit, um 40 Sekunden vor Schluss den „letzten“ Spielzug zu besprechen. Pierre nutzte ebenfalls die Möglichkeit um seine verbliebenen fünf Recken auf die „ETB-Kombo“ einzustellen.  Diese letzten 40 Sekunden hatten es in sich, so dass ab jetzt im „Ticker“ berichtet wird!!!

59:20   Der ETB läßt zunächst den Ball schnell und wohlüberlegt laufen bis sich die gewünschte Lücke auf Berganders Seite auftut.

59:35   Der Ball kommt wie erwartet zu Bergander und das Unheil scheint seinen Lauf zu nehmen…

59:36   Bergander läuft selbstsicher wie mehrere Male zuvor Richtung Kreis und setzt zum Sprung an…

59:37   Luca und Lukas Tholen können sich noch gemeinsam dem Hünen entgegenstellen, den Wurf aber nicht mehr verhindern. Er kommt aber nicht mehr frei vor dem Tor zum Abschluss und Nils kriegt sein Bein dazwischen, so dass der Ball ins Seitenaus fliegt. Jubel beim SGÜ-Anhang!

59:40   Zweiter Anlauf durch den ETB mit einem neuen aber hektischeren Aufbau. Jetzt wird irgendeine Lücke gesucht. Auf der Tribüne wird nach Baldrian gerufen.

59:51   Ein ETB-Akteur meint eine Lücke gefunden zu haben und stürzt sich nach vorne, um seine Chance zu nutzen.

59:52   Die Abwehr kann die Lücke schließen! Der Rüttenscheider entscheidet sich mangels Zeit trotzdem für den Wurf. Einige auf der Tribüne verlieren die Nerven.

59:53   Nils kriegt irgendein Körperteil dazwischen und der Ball prallt wieder Richtung Seitenaus ab.

59:54   Philipp sichert den Ball, bevor er ins Seitenaus geht. Zu diesem Zeitpunkt sind sich alle Anwesenden sicher, dass der Drops gelutscht ist und fangen an sich zu entspannen.

59:55   Lukas startet einen Spurt auf der rechten Seite Richtung gegnerischen Kreis. Der ETB erkennt die Gefahr und folgt ihm schnurstracks mit zwei Mann. Gleichzeitig wird Philipp, als Ballführender, bedrängt.

59:56   Philipp dribbelt Richtung Mittellinie wo er endgültig gestellt wird. Er kann den Ball nur noch Richtung Kreis in den freien Raum an mehreren ETB-Armen vorbeiwerfen. Geht da noch was..?

59:57   Lukas fliegt, bedrängt von seinen Verfolgern, aus der Seite herein, fängt den Ball drei Meter vor dem Kreis mit dem Rücken zum Tor in der Luft und macht noch im Fallen ein „No-look“-Wurf aus dem Unterarm!

59:58   Der ETB-Torwart steht zu weit vor seinem Kasten und hat überhaupt nicht mit dem Wurf  gerechnet. Der Ball fliegt an ihm vorbei!

59:59   Alle halten den Atem an… Zwei Mal titscht der Ball noch auf, bevor er haarscharf am leeren Tor vorbeizieht…

60:00   Die Schlusssirene ertönt… und keiner weiß so richtig, ob er sich freuen oder heulen soll!

Nachdem alle  Anwesenden wieder beieinander waren (und das hat wirklich gedauert), wurden alle Spieler mit dauerhaften „Standing Ovations“ gefeiert. Alle waren sich einig, dass keine Mannschaft eine Niederlage verdient gehabt hätte! Somit blieb das Unentschieden als einziges logisches und gerechtes Ergebnis übrig. Festzuhalten bleibt, dass kein Team sich aufgegeben hat, sondern bis zum Schluss gefightet wurde, auch wenn die Lage aussichtslos erschien! Der Essener Handballsport kann stolz auf diese zwei Mannschaften sein, die den Namen „Mannschaft“ auch wirklich verdienen! Trotz der Brisanz des Duells wechselten die Trainer fast alle Spieler ein, was keine Selbstverständlichkeit ist. Aus SGÜ-Sicht stellt man fest, dass dieses Team wieder ein Spiel für die „Annalen“ bestritten hat und die Jungs dem SGÜ-Anhang viel Freude bereitet haben. Man hat sich mit jedem erfolgreichen Spielzug gefreut und bei jedem Gegentor mitgelitten. Es war nicht alles Gold was glänzte, aber wie das Team Höhen und Tiefen (wie auch der Gegner) meisterte, war schon beeindruckend. Deshalb heute keine Manöverkritik, sondern einfach „Danke für ein grandioses Spiel“! Pierre fasste nochmal zum Schluss das Spiel treffend zusammen: „Wir haben ein Spiel auf hohem taktischen Niveau auf beiden Seiten erlebt! Jedes Team versuchte dem Gegner sein Stempel aufzudrücken, was aber nur selten genug gelang. Ich bin mit unseren Jungs sehr zufrieden, denn es war nicht einfach gegen den heutigen hochmotivierten Gegner zu bestehen. Ein Sonderlob möchte ich Salomo ausstellen, der in den kritischen Abschnitten den Mut fand, 1-zu-1-Situationen erfolgreich zu gestalten und uns im Spiel hielt.“

Zum Jahresabschluss noch ein Dank an alle, die ihre Freizeit für das A-Team opfern und Woche für Woche mit dem Team reisen und diese unvergesslichen Wochenenden möglich machen. Und bitte dran denken, beim nächsten Mal bringt einer den Baldrian für alle Fälle mit! Frohes Fest und guten Rutsch wünscht Euch allen, Eure mA-Jugend.

Es spielten für die SGÜ: Nils Waldrich (TW), Maximilian Heidrich (TW), Philipp Thomas (10/5), Salomo Ortega-Sawal (8), Tom van der Heuvel (5), Henrik Nocke (2),  Lukas Tholen (2), Florian Brombach (1), Luca Felter, Ole Vetterlein, Jonas Graef, Maximilian Gewehr, Jakob Oehrl und Manuel Rademacher

Aus Respekt für einen ebenbürtigen Gegner spielten für den ETB: Constantin Gramsch (TW), Nicolas Falke (9/4), Jan Bergander (6), Niclas Edelkötter (4), Jannis Achatz (4), Max von Maltzahn (3), Dominik Schulze (2), Max Jetter, Maximilian Reimann, Niklas Schulz, Jonas Arns und Nando-Le Hülsewiesche

Bilder: Carsten Thomas                                                 Fotoalbum: ETB – SGÜ