Nichts für schwache Nerven…

mA-OL:   SG Langenfeld  –  SG Überruhr   32 : 37   (19 : 17)

Nach dem überzeugenden Heimerfolg gegen den Tabellendritten aus Krefeld wollte das „A-Team“ den momentanen Höhenflug in der HVN-Oberliga weiter fortsetzen und den Abstand zur direkten Tabellenkonkurrenz aus Langenfeld vergrößern. Da man sich bereits aus der Gruppenphase der HVN-Qualifikation kannte, waren die Essener gewarnt den Gegner an dessen Heimstätte nicht zu unterschätzen. Allerdings waren die Voraussetzungen für das Auswärtsspiel am Samstag, dem 25.11., alles andere als optimal, da Pierre Sieberin nur auf 10 Spieler des derzeitigen Kaders zurückgreifen konnte. Es sollte sich ein torreiches und dramatisches Spiel entwickeln, in welches die Schiedsrichter großen Einfluss auf das Match mit insgesamt 6 Verwarnungen, 17 Zweiminuten-Strafen und 3 rote Karten ausüben sollten und nicht zu einem friedvollen Miteinander vor der Weihnachtszeit beitrugen.

Mit der ungewohnten Zahl von drei Ersatzspielern auf der SGÜ-Bank wurde das Spiel pünktlich vor einer überschaubaren Zuschaueranzahl angepfiffen. Keiner konnte zu diesem Zeitpunkt ahnen, dass sich ein intensives und leidenschaftliches Match entwickeln würde, das an den Nerven aller Beteiligten zehren würde. Ohne großes Abtasten ging es sofort vehement los, ohne dass beide Abwehrreihen bis zur 5. Minute beim Stand von 4:4 den gegnerischen Angriff in den Griff bekamen. Die Schiedsrichter zeigten sich auch direkt von ihrer harten Seite, verwarnten einen Langenfelder und schickten Tom van der Heuvel sehr früh (2.) für zwei Minuten auf die Bank. Unsere Abwehr, eigentlich unser Paradestück, geriet angesichts des schnellen Langenfelder Passspiels so langsam aber sicher ins Hintertreffen und unsere Angriffsbemühungen fingen an, im Sande zu verlaufen. So sah sich Pierre in der 10. Minute beim Stand von 8:6 genötigt, die erste Auszeit zu nehmen, um das Team neu einzustellen. Diese Massnahme fruchtete aber zunächst nicht, da das Spiel immer hektischer wurde. In der 15. Minute ereilte dann auch die Langenfelder ihre erste Zeitstrafe, nachdem sich diese bereits ein Vier-Tore-Vorsprung (11:7) erarbeitet hatten. Die SGÜ verkürzte zwar kurzfristig auf zwei Tore, aber die SGL nutzte Unkonzentriertheiten in der Essener Abwehr aufgrund von fragwürdigen Entscheidungen des Gespanns, um auf 17:13 bis zur 23. Minute davonzuziehen. Bis hierhin hatten die Referees alle 6 Verwarnungen ausgesprochen (u.a. an Pierre) und gaben unmissverständlich zu erkennen, dass die „Schonzeit“ vorbei war. Leider war das Spiel zu diesem Zeitpunkt schon so heiß gelaufen, dass wohl nur die Pause zur Beruhigung hätte beitragen können. Wenigstens Salomo Ortega-Sawal behielt auf SGÜ-Seite die Nerven und sorgte mit drei Treffern in Folge für den Anschluss bis zur 26. Minute. In der hektischen Schlussphase brannten bei Florian Brombach wohl die Sicherungen durch, was die Schiedsrichter kompromisslos mit zwei aufeinander folgenden Zeitstrafen ahndeten. Zeitgleich erwischte es zum Glück auch einen vorbelasteten Langenfelder, so dass man mit einem annehmbaren 19:17-Halbzeitrückstand in die Pause ging.

Alle Anwesenden waren sich einig, dass wenn die Begegnung weiter so hitzig betrieben wird, einige Akteure das Spielende von der Tribüne erleben würden. Und die Bank war bei der SGÜ an diesem Tag unterbesetzt..! So war man gespannt, wie die Spieler aus der Kabine kommen würden… und sie kamen alle hochmotiviert. Vor allem den Essenern merkte man den unbedingten Siegeswillen an, „koste es, was es wolle“. Die Rheinländer sondierten zunächst die Lage und nahmen erst mit dem Ausgleich zum 19:19 den Kampf ab der 33. Minute wieder an. Das taten die Schiedsrichter auch und dezimierten beide Teams bis zur 39. Minute mit insgesamt vier verteilten Zeitstrafen. Dabei holte sich auch Tom im hitzigen Gefecht seine 2. Zeitstrafe ab. Die SGL versuchte mit einem Timeout die Drangphase der Essener zu entschärfen, was zum Teil gelang. Die so ersehnte Führung für unsere Jungs wollte sich einfach nicht einfinden, aber Langenfeld konnte sich auch nicht mehr absetzen. Fast jeder auf der Tribüne litt mit jeder Abwehr- oder Angriffssituation seiner Mannschaft mit und es war nur noch eine Frage der Zeit, wann eine spielentscheidende Szene auftreten würde. In der 45. Minute nahm die Partie noch einmal Fahrt auf: Matchstrafe für Tom! Zeitgleich bekam zum Glück auch ein Rheinländer eine zweiminütige Denkpause, so dass die Kräfteverhältnisse gleich blieben, um dann im Schlussabschnitt eines hochdramatischen Matches in der 49. Minute die erste Führung mit 28:29 durch Philipp Thomas zu erzielen. Der Jubel war noch nicht verflogen, als der nächste Schock unser Team erschütterte: Matchstrafe für Florian! Erinnerungen an das Spiel gegen Kaldenkirchen wurden wach. Durch den Verlust von zwei Abwehrsäulen in der entscheidenden Spielphase ging das Spiel am Ende verloren. Der SGÜ-Anhang war jetzt ziemlich erbost auf die „Men in Black“ und tat seinen Unmut lautstark kund, so dass das Gespann sich seinerseits genötigt sah, eine Disziplinarmassnahme zu ergreifen. Leidtragender war Pierre, der zu Unrecht für die „garstigen“ Bemerkungen aus der Tribüne herhalten musste und eine weitere Strafe für das Team aufgebrummt bekam. Jetzt mussten die verbliebenen vier Feldspieler die eingebrockte Suppe auslöffeln und eine Minute gegen sechs Gegner bestehen, um dann eine Chance zu fünft zu suchen. Während nun der SGÜ-Anhang (hoffentlich schuldbewusst!) mit dem Schicksal und den Schiedsrichtern haderte, nahmen unsere Jungs ihr Herz in die Hand, blieben standhaft und cool in der Abwehr um Torwart Max Heidrich und ließen nur den Ausgleich zu. In einfacher Unterzahl konnte sich Philipp anschließend gegen zwei Gegner durchsetzen und wieder die 29:30-Führung erzielen. Dabei kassierte sein Gegenspieler auch eine Zeitstrafe, so dass beide Teams sich bis zur 52. Minute beim Stand von 30:30 neutralisierten. Urplötzlich bekamen die Rheinländer ebenfalls den Zorn des Gespanns zu spüren und kassierten selbst zwei aufeinander folgende Zeitstrafen, die u.a. in einer Matchstrafe für einen der SGL-Abwehrrecken mündeten, zwei Siebenmeter zur Folge hatten und die SGL in Unterzahl bis zur 57. Minute agieren ließen.  Von diesem Schlag erholten sich die Langenfelder nicht mehr! Die fälligen Siebenmeter wurden von Philipp eiskalt verwandelt und nebenher sorgten Salomo und Lukas Tholen für eine in der Höhe überraschende Vier-Tore-Führung von 31:35 bis zur 58. Minute. Das letzte Timeout der SGL brachte nicht mehr die Wende, denn in den letzten zwei Minuten ließ die SGÜ Ball und Gegner laufen und beendete das nervenzerreißende Spiel unter „Standing Ovations“ des eigenen Anhangs mit 32:37.

Sollte jemand Zweifel an den Charakter unserer Mannschaft gehabt haben, müssten diese seit dem letzten Spiel ausgeräumt sein. Die Nerven in so einer aufgeladenen und entscheidenden Spielphase mit zwei Mann weniger zu behalten… Respekt! Auch wenn gerade zu Spielbeginn nicht alles klappte und man unvermutet ins Hintertreffen geriet, hat das Team immer an seine Chance gegen einen heimstarken Gegner geglaubt und im entscheidenden Moment die Ruhe behalten, um die Partie erfolgreich zu gestalten. Wenn es was zu meckern gab, dann wieder die zwei unnötigen Matchstrafen bzw. die frühen doppelten Zeitstrafen. Dadurch ist konsequente Abwehrarbeit des „Rotgefährdeten“ nicht mehr möglich. Dazu kam erschwerend hinzu, dass ab der 49. Minute nur noch ein Ersatzspieler für die kräftezehrende Schlussphase zur Verfügung stand und die „Fans“ dem Team unnötigerweise noch ein faules Ei ins Nest legten. Trotz einer geschlossenen und fantastischen Mannschaftsleistung geht ein besonderes Lob an Salomo, Philipp und Lucas, die zusammen mehr als 75% der Tore erzielten, dafür aber nur eine der neun Strafen gegen uns kassierten. Jetzt muss man sich auf die letzten Aufgaben der Hinrunde konzentrieren, wo nur noch das nicht zu unterschätzende Heimspiel gegen den TV Ratingen ansteht, um dann zum Jahresabschluss das „neue“ Derby gegen einen sehr erfolgreichen ETB zu bestreiten.

Es spielten: Max Heidrich (TW), Salomo Ortega-Sawal (11), Philipp Thomas (10/3), Lukas Tholen (8), Jesko Hünselar (3), Tom van der Heuvel (3), Jonas Graef (1), Florian Brombach (1), Torben-Bo Enigk und Manuel Rademacher

Bild: Corina Simon                                                           Das diesjährige A-Team

 

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