Drama im Spitzenspiel der wA-Oberliga!

weibliche A Jugend HVN Oberliga:
TV Lobberich – SG Überruhr 32:32 (16:13)

Am vergangenen Samstag mussten unsere bislang so erfolgreichen „A-Girls“ zum direkten Tabellennachbarn aus Nettetal, dem TV Lobberich, um den Platz an der Sonne der HVN-Oberliga zu verteidigen. Zur ungewöhnlich abendlichen Anwurfzeit von 19:45 Uhr an der holländischen Grenze bedeutete es für unser Team schon eine kleine Herausforderung nach der langen Anfahrt zum hochmotivierten Gegner mit der nötigen Konzentration das Match anzugehen. Der Tabellenzweite aus dem Niederrhein wollte vor einer überschaubaren Kulisse die letzte Chance nutzen, um dem ungeschlagenen Oberligaprimus aus Essen die erste Saisonniederlage beizubringen und den Abstand auf einen Punkt zu verkürzen. Es sollte sich ein dramatisches Spiel entwickeln, welches eine weitaus höhere Zuschauerresonanz verdient hätte.

Ohne Jörg Büngeler (Urlaub) übernahm wieder Sinje Weisz die Verantwortung für das Team, das mit einer Torhüterin und zwölf Feldspielerinnen die schwere Auswärtshürde nehmen wollte. Wie erwartet war Lobberich top motiviert und versuchte sofort durch körperliche Präsenz unseren Mädchen den Schneid abzukaufen. Diese hielten aber wie im Hinspiel zumindest in der Abwehr voll dagegen, so dass bis zur 5. Minute nur ein 1:1 heraussprang, dafür aber auch je eine Verwarnung auf beiden Seiten ausgesprochen wurde. Bedingt durch eine frühe Strafe gegen uns zog der Gastgeber auf einmal auf 5:2 davon (8.) und verwaltete gekonnt den Vorsprung bis zur 10. Minute. Die SGÜ rieb sich in dieser Phase förmlich an der robusten TVL-Abwehr auf, ohne einen nennenswerten Erfolg zu verbuchen. Dafür schafften es die Nettetalerinnen regelmäßig bei ihren Angriffsbemühungen einen Siebenmeter oder sogar eine Strafe gegen die Essenerinnen des hart durchgreifenden Gespanns herauszuholen, so dass es auf einmal 9:3 (13.) für den Gastgeber stand. Jetzt war guter Rat teuer, denn die TVL-Maschine schien unaufhaltbar ins Rollen gekommen zu sein. Die „A-Girls“ behielten aber die Nerven und nutzten eine unkonzentrierte Phase des Gegners um mit drei schnell aufeinander folgenden Toren auf 9:6 (15.) zu verkürzen. Verunsichern ließ sich der Gastgeber aber nicht. Torlose folgten auf torreiche Phasen, ohne dass der Drei-Tore-Abstand sich wesentlich veränderte. Dafür hagelten jetzt Verwarnungen hüben wie drüben, die deutlich machten, wie intensiv dieses Match geführt wurde und wie gnadenlos das Gespann um Kontrolle agierte. Eine weitere Strafe gegen unser Team wurde vom TVL zur zwischenzeitlichen 14:9-Führung in der 24. Minute ausgenutzt, doch zum Glück dezimierte sich Lobberich fast im Gegenzug durch eine Unbeherrschtheit inkl. Disqualifikation selbst, so dass man erfolgreich bis zur Halbzeitpause einen erträglichen 16:13-Rückstand erkämpfen konnte.

Genau wie im Hinspiel war es unglaublich schwer einen erfolgreichen Torabschluss hinzukriegen. Der Gastgeber verschob die Abwehr gut und wenn eine Essenerin durchkam, musste immer noch die gute TVL-Torhüterin überwunden werden. Die Nettetalerinnen agierten dafür zunächst cleverer im Angriff. Immer wieder schafften sie es eine Lücke zu finden, so dass meistens nur noch ein Foul die Aktion beendete und damit ein Siebenmeter (insgesamt wurden zehn gegen uns verhängt), welches immer sicher verwandelt wurde, oder sogar eine Strafe vom Gespann ausgesprochen wurde. Sinje schien in der Kabinenansprache die richtigen Worte gefunden zu haben, denn trotz einer weiteren Strafe kamen die A-Girls bis auf 16:15 (32.) schnell heran. Allerdings schlug jetzt die Stunde von Pauline Sirries (TVL), die fast im Alleingang (16/10) unser Team zerlegte. Die Abwehrmaßnahmen wurden von beiden Teams über Bord geworfen und die Tore schlugen im Minutentakt auf beiden Seiten ein. Dann ereilte uns die nächste Zeitstrafe (35.) und Lobberich rannte uns mit 22:17 (37.) davon. Sinje nahm eine Auszeit und versuchte die SGÜ-Aktionen neu zu sortieren, doch der Gegner ließ sich bis zur 40. Minute nicht beirren (24:19). Urplötzlich nahm die Intensität des TVL-Spiels ab und die SGÜ kämpfte sich bis zur 45. Minute auf 25:23 heran. Der Essener Anhang hoffte inständig, dass den Niederrheinerinnen die Luft ausgegangen war. Diese hatten nur zehn Feldspielerinnen und eine davon war ja schon vorzeitig in die Dusche geschickt worden. Doch Lobberich überstand diese Schwächephase zunächst ohne noch mehr ins Hintertreffen zu geraten und schlug in den folgenden Minuten während der SGÜ-Aufholjagd erbarmungslos bis zur 52. Minute zum 30:25-Zwischenstand zurück. Fünf Tore in acht Minuten gegen diesen kompromisslosen Gegner aufholen..? Jetzt war Charakter gefragt! Und dass der Gegner konditionell angeschlagen war, hatten ja die letzten Minuten gezeigt. So wurde auch bei diesem Team der SGÜ-Kampfgeist ausgepackt! Es wird bis zum Abpfiff gekämpft, solange es noch Hoffnung gibt… und diese wurde durch einen fantastischen 31:29-Zwischenspurt (55.) genährt. In Minute 56:30 wechselte das Momentum wieder auf die TVL-Seite! Wieder hatte sich Sirries im Angriff durchgesetzt und Lisa konnte sich nur mit einem Foul behelfen. Jetzt griffen die Schiedsrichter knallhart durch, schickten sie auf die Tribüne, verhängten einen Siebenmeter, welcher erfolgreich zum 32:29 eingenetzt wurde, und ließen den SGÜ-Anhang in Schockstarre verweilen. Sinje nahm ihre letzte Auszeit um den Mädchen klarzumachen, dass das Spiel noch nicht gelaufen war und dass man selbst in Unterzahl an das eigene jetzt sehr erfolgreiche Spiel glauben musste. Der Gegner war zu diesem Zeitpunkt konditionell unterlegen und würde über Ballkontrolle versuchen sich in die Schlusssirene zu retten. Was unser Team in Unterzahl in den darauffolgenden Minuten fabrizierte, war aller Ehren wert! Schnell zwang man den Gegner zu Fehlern bzw. unvorbereiteten Abschlüssen, die von Liesa entschärft wurden, und kam in der 58. Minute bis auf ein Tor (32:31) heran. Als das Gespann eine Minute vor Schluss ein Siebenmeter für Überruhr verhängte, wähnte man sich am Ziel. Anna Küpper, die die Aufholjagd  erfolgreich mitgestaltet hatte, übernahm Verantwortung, stellte sich neben dem Wurfstrich in einer bis zum Bersten gespannten Hallenatmosphäre… und verwarf untröstlich unter dem TVL-Jubel die Möglichkeit zum Ausgleich. Der TVL-Trainer nahm seine letzte Auszeit, um sein müdes Team auf die letzte Minute einzustellen. Die Enttäuschung war allen SGÜ-Gesichtern deutlich anzusehen, doch Sinje nutzte die gleiche Auszeit zur Motivation ihrer Mädchen. Man schüttelte sich kurz und ging entschlossen an die letzte Minute heran. Der TVL versuchte den Spielzug in die Länge zu ziehen, was aber vom Gespann unterbunden wurde und in einem Ballverlust zwanzig Sekunden vor Schluss endete. Mit dem Mute der Verzweiflung suchten die A-Girls eine Lücke im ebenfalls verzweifelt deckenden Abwehrverband des Gegners, als der Ball zu Tabea gelangte und diese sich erfolgreich gegen ihre Gegenspielerin durchsetzte, um zwei Sekunden vor Schluss frei vor dem Tor aufzutauchen und zielsicher unter dem Jubel aller mitgereisten Essener einzunetzen. Da das Spiel nicht mehr angepfiffen wurde, lag man sich anschließend in den Armen und feierte den Punktgewinn wie einen Sieg.

Das Spitzenspiel der wA-HVN-Oberliga hielt alles, was es versprochen hatte: Spannung, Dramatik, Höhen, Tiefen, konsequentes Abwehrverhalten und ein nie aufgebendes SGÜ-Team! Der TV Lobberich steht nicht von irgendwo her auf dem zweiten Tabellenplatz der Oberliga und unsere Mädchen nunmehr zurecht auf dem Platz an der Sonne. Zwei Teams, die sich nichts geschenkt haben, hätten eine höhere Zuschauerbeteiligung bei diesem Match verdient. Die erste Hälfte gehörte eindeutig dem Gastgeber, die zweite wurde dann von der SGÜ mit fortlaufender Spieldauer diktiert. Damit war das am Ende hart erkämpfte Unentschieden wohl das gerechteste Resultat. Der TVL hätte gerne nur bis zur 55. Minute, die SGÜ sicherlich bis zur 65. Minute gespielt. Aber Respekt vor den nie aufgebenden A-Girls, die trotz fünf Tore Rückstand acht Minuten vor Schluss weiter an sich geglaubt haben, obwohl das Momentum gegen sie sprach. Jetzt gilt es in den verbleibenden zwei Heimspielen gegen die Panther (7.) und gegen Haan (3.) die Meisterschaft klar zu machen. Ein Sieg am kommenden Sonntag, den 18.03.18 um 18:00 Uhr, gegen die Panther würde die Meisterschaft bedeuten. Viel Erfolg Girls!

Es spielten für die SGÜ: Liesa Benger (TW), Anna Küpper (9/1), Jule Kürten (8/1), Tabea Schulte (5), Lisa Spengler (4), Laura Freude (3), Lena Aalbers (2), Anna Tex (1), Julia König, Maren Simon, Picabo Nitsch, Ines Tworuschka und Solveig Rosenberger

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