6:30 Wipperführt: die Welt ist noch in Ordnung………noch!………

Morgens um halb sechs ist die Welt noch in Ordnung…

Ein Bericht der etwas anderen Jugendherbergsfahrt oder ein etwas anderer Bericht der Jugendherbergsfahrt oder etwas Anderes vom Bericht der Jugendherbergsfahrt.

 

Kaum sah man die Truppe der Teilnehmer am schönen Samstagmorgen in der Klapperstraße, da wussten die Betreuer endgültig, dass diese Fahrt anders werden würde. Nahezu die Hälfte der Teilnehmer schaute den Betreuern beim Geradeausgucken auf den Bauchnabel – das war früher anders.

 

Es zeigte sich auch schnell, dass die Rüstzeit vor dem Training länger dauerte. Scheinbar ist es für Jüngere gar nicht so einfach in einer wirklich übersichtlichen Tasche Schuhe, Hose, Trainingsshirt und Ball so zu unterscheiden, dass sie in einer vernünftigen Abfolge schnell angezogen werden können und damit das Training auch schnell hätte beginnen können. Nun denn, Pierre (ab jetzt nur noch #23 genannt) motivierte alle schnell zu dem einzigen gemeinsamen Aufwärm-Training: Laufschule für Runaways.

 

Am Vormittag wurden die sechs Teams nach dem Zufallsprinzip mit Töpfen (ähnlich der Auslosung einer Fußball WM, bei der die Gegner schon lange vorher feststehen, z.B. Topf 1: alle starken Teams außer Nordkorea. Übersetzt für uns: Mannschaft lila: Alle weiblichen 10 Jährigen, außer denen, die im Februar Geburtstag haben und nach April die Schule wechseln) ausgelost. Das Ergebnis wurde von allen als gerecht bezeichnet. Es zeigte sich da schon deutlich, dass junge Jungen und junge Mädchen kommunikativ distanziert erschienen. Die Auslosung war notwendig, da bereits in unserer Sporthalle die erste Teamaufgabe zu bewältigen war: Ein Bettlaken mit einem Handballmotiv in SGÜ-Farben zu bemalen. Wieso eigentlich auch schwarz?

 

Nach den gemütlichen ersten Trainingseinheiten und wirklich gelungenen Malereien, stieg die Spannung in Erwartung der beiden Meisterschaftsspiele. Was folgte war an Spannung nicht mehr zu überbieten. Nach mehrfachem deutlichen Rückstand konnte unsere 1. Damen doch noch mit 3 Toren gewinnen und stand damit vorzeitig als Aufsteiger in die Regionalliga Nordrhein fest – der größte Erfolg unserer Vereinsgeschichte.

 

Wenn das schon spannend war, dann fehlt die richtige Bezeichnung für das anschließende Herrenspiel. 13:19 stand es 18 Minuten vor Schluss. Kein Zuschauer gab mehr einen Pfifferling auf unsere Männer, doch wir haben den Jakobsweg beschritten. Jakob ließ kein Gegentor mehr zu. #23 warf 40 Sekunden vor Abpfiff endlich mal ins Tor und wir gewannen, und noch besser Oppum verlor. Der Abstiegskampf geht mit unverminderter Härte trotzdem weiter.

 

Es folgte die Busfahrt ins romantische Wipperfürth. Der Bus fuhr einen kleinen Umweg, so dass die Schwimmer in der Jugendherberge noch später in den Schlaf kamen. Der Einzug, Bezug und Umzug von 70 Menschen geht halt nicht geräuschlos vonstatten. Die Nacht war erfrischend kurz.

 

6:30 Uhr war es erst, als wir die Jugendlichen aus den Betten baten, um bei wolkenlosem Himmel und erstem Tageslicht die erfreulich lange Laufstrecke auszuprobieren. Wir waren überrascht, es liefen alle, Jesko begleitete Corina. Die Begleiter begannen beim Frühstück zu spekulieren, ob es auch in diesem Jahr bei den morgendlichen Einheiten bei den Läufern zum 10-kleinen-Negerlein-Prinzip kommen würde.

 

Wie üblich konnten alle Teilnehmer jeden Tag das Programm am Flip-Chart verständlich ablesen. Die leicht interpretierbaren Zeitabfolgen und Bilder beschäftigten die Teilnehmer jeden Tag intensiv. Fotos der Plakate sind auf der CD enthalten.

 

Mittags zeigte sich erneut der Vorzug von Wipperfürth – das Essen schmeckte. In Erinnerung an den oscarwürdigen Auftritt von Nils Thomas mit Cello, verteilten wir bekannte Songtexte an die Gruppen, damit diese am letzten Abend vorgeführt werden konnten. Rudelschminken folgte. Teamweise wurden die Gesichter in SGÜ-Farben verschönert, um anschließend im längsten Abklatschmarsch aller Jugendherbergsfahrten zur Voss-Arena zu laufen. Irritiert von der Anfeuerung von 70 aufgeputschten Fans, gewann unsere 2. Damenmannschaft beim Aufsteiger Wipperfürth – erwartungsgemäß… Wipperfürth reklamierte die lautstarke Präsens des 8. Feldspielers.

 

23 °C zeigte das Thermometer – zum Glück konnten wir an diesem Sonntag grillen. Manuel, Thorben und Tim grillten, die anderen aßen. Nach dem Grillen folgte das Nageln. Erstaunlich mit welcher Begeisterung die Jugendlichen die Nägel in den Stamm trieben – fernab jeder Handynutzung. Auch die Kleinsten wurden angefeuert und waren mit Eifer bei der Sache. Nach diesem Teamwertungsspiel konnten Torben-Bo, Ben und Jonas mit ihren hellen Sopranstimmen beim Lagerfeuer die Mitreisenden mitreißen.

 

Überrascht waren wir am nächsten Morgen, dass um 5:30 Uhr die Sonne noch gar nicht aufgegangen war – machte aber nix, denn im Schwimmbad gibt es ja Licht. Mehrere Unschwimmende durften am Rand sitzen und anschließend zum Aufwecken die Runde laufen. Die Schwimmenden zeigten ihr Können und zu unserer Freude tauchten nach dem Abtauchen auch alle wieder auf – alle 59 oder waren es doch 60?

 

In der Voss-Arena wurde die blaue Lagune nachgebaut – das Wohlfühlparadies für müde Knochen, von denen die Kinder jeden einzelnen spürten. Die Älteren versuchten sich erneut als Selbsthilfegruppe. Die jüngeren Jugendlichen gingen als Familie Meier an diesem Tag in den Zoo, nein, sie liefen. Das Spiel kam so gut an, dass 3 Tage später Diyana und Jule eine neue Geschichte über die SGÜ schrieben, die zum gleichen Lauferlebnis führte. Tagesbedingt endete der Montag mit den Montagsmalern. Leichtere Begriffe und einprägsame Sprichwörter galt es so zu malen, dass die Mitstreiter sie erraten konnten. Nicht vom Himmel fallende Meister, schweigendes Gold, sich selbst waschende Hände, fliegenfressende Teufel und Überraschungsfunde blinder Hühner wurden so von den meist Jungen Meistern gezeichnet, dass sie erraten werden konnten. Nach der Verabreichung von Heimwehtropfen, Schlichtung von nicht erkennbaren Streitigkeiten, Beruhigung Jüngerer und dem Vorlesen einer Gute-Nacht-Geschichte kamen die Leiter zur Ruhe – zumindest zu dem was die Leiter unter Ruhe verstehen. Bis früh in den Morgen wurde das kommende Tagesprogramm lebhaft diskutiert und wie immer einstimmig beschlossen.

 

Der Dienstag bestätigte, dass das Negerlein-Prinzip Gültigkeit hat. Weniger Läufer morgens, ausruhende Teilnehmer bei den Trainingseinheiten und gehäufte für kurze Zeit schwerwiegende Verletzungen ließen teilweise die Anzahl der Trainierenden hinter der der Zusehenden zurückfallen.

Der Ausflug zum Bowlen folgte am Abend. Zu unserem Glück ließen unsere Kinder die Kugeln tatsächlich rechtzeitig los und rutschten nicht mit diesen in die Pins. Die selbstbewusst auftretenden älteren Jungs reklamierten nach ersten Fehlversuchen Gegenwind und schräge Bahnverläufe – die

fehlende Technik konnte auch durch besonders feste Würfe nicht kompensiert werden. Die Kugel war halt nur schneller am Bahnende. Die Pins wichen der Kugel aus Vorsicht aus. Jörg fuhr auf Anhieb im Bus mit.

 

Der Mittwoch begann mit Ausschlafen. Entgegen kursierender Gerüchte konnte das Leiterteam die Schwimmzeit um 7:00 Uhr beginnen lassen. Die Jugendlichen hatten sich schon teilweise den Wecker auf 4:30 gestellt. Schade, dass das Wasser nass ist, denn so gelang es vielen Teams nicht das Tempotaschentuch trocken auf die andere Beckenseite zu bringen. Selbst das Transportieren mit dem Mund führte nicht zu dem gewünschten trockenen Ergebnis. Dem ausgiebigen Frühstück folgte die Weltpremiere: Crosslauf à la Mike. Bei leider noch immer trockenem Wetter baute das Leiterteam nach Anweisungen von Mike einen Hindernisparcours auf, der von den Teams gemeinsam zu bewältigen war. Die Wegbeschreibung war einprägsam, eindeutig, einfach und einzigartig. Dies bestätigten alle Teams außer dem mit Pfadfindern gespickten Team Pink. Sie erreichten die Jugendherberge nach dem Mittagessen, und zogen es vor die Verlaufensschuld beim Leiterteam zu suchen. Ergebnis: Pink war letzter.

 

Der Nachmittag stand im Zeichen eines unterhaltsamen Fitnessprogramms von Thiago. Lächelnd, selbstbewusst und motivierend präsentierte Thiago ein abwechslungsreiches leichtes Aufwärmprogramm für Geist und Körper. Die Teilnehmer bedankten sich für die Verspätung, die ihnen weitere 25 Minuten einfachster Übungen ersparte.

 

In der Tradition des zweiten deutschen Fernsehens spielten wir am Abend Dalli-Klick. Es war spitze anzusehen, wie die Teilnehmer Personen und sonstige Bilder der Jugendherbergsfahrt erkannten. Eine Ausnahme bildete Jule, die sich selbst für Nico Birkenstock hielt, wohl wegen der deutlich sichtbaren #9.

 

Schon kam es zu dem bildlich dargestellten letzten vollständigen Tag. Verschweigen will das Leiterteam die Tatsache, dass es erneut nach 7 Meterwerfen gegen das beste Jugendteam verlor. Es lag wohl an der Abwesenheit von Uwe Gensheimer, Paul Drux und Andreas Wolff.

 

Am Abend folgte dann der Höhepunkt: Der SGÜ-Songcontest. Alle Teams überboten sich gegenseitig, was auch von der bezaubernden Jury in den ad hoc Beurteilungen herausgestellt wurde. Trotzdem konnte es nur einen Sieger geben. Der Astronaut musste am Boden bleiben, auch 99 Luftballons halfen nicht zum Aufstieg auf den Olymp, der Versuch die Welt zu retten scheiterte, weil man noch niemals in New York Hulapalu gesungen hat. So gewannen die Lasso schwingenden Cowboys mit ihren reitenden Indianern.

 

Im anschließenden Flach-Witz-Contest bespuckte Verlierer Tim die #23 häufiger als umgekehrt: „Ich hab Spaghetti um meinen Wecker gewickelt… Jetzt hab ich Essen rund um die Uhr“ oder „Wie nennt man ein weißes Mammut? – Hellmut“ brachten Tim völlig aus der Fassung. Danach wurden freiwillige Jugendpaare Opfer der lapidar vorgetragenen Witze von Pascal.

 

In der letzten Nacht wurde noch viel über den Diskutator (richtiger Name ist nur dem Leiterteam bekannt) gesprochen. Das Leiterteam wählte sich erneut zum wirklich erneut aller, aller, aller, allerbesten Betreuerteam aller, aller, aller Zeiten – übrigens einstimmig.

 

Jede Fahrt muss ein Ende haben. Jeder Bericht auch.

 

Danke an alle Teilnehmer für eine unvergessliche Woche, danke an den Busfahrer Holger für den das tatsächlich die letzte Fahrt war. Danke auch an die Eltern, die uns ihre Kinder leihweise überließen und zum Glück auch wieder abholten.

 

Bis zum nächsten Jahr, 2018 ist bereits gebucht!

Corina + Jörg

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